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soul
food
mit scheinbarer leichtigkeit
steht der elefant auf dem apfel, der für ihn die welt bedeutet
behutsam hält er mit seinem mächtigen rüssel eine
biene in ungeahnte höhen, die den fantastischen blick in die
ferne und den sieg über all die hässlichkeit und gewalt
unserer wirklichkeit feiert. die illustration zum „fabelbuch“
steht exemplarisch für die liebevoll hintergründigen darstellungen
in den zeichnungen silke lefflers. mit großer hingabe zur
phantasie, zur behutsamkeit und sensibilität vermittelt die
illustratorin ein sanftes, gezeichnetes statement für mehr
harmonie und … liebe.
fliegende giraffen, tanzende
fische, autos aus zitronen und feenhafte damen und herren, die mit
herzens-frisuren, lieblichen blumenhüten und taschen in gieskannenform
durch puppenhafte städte und verwunschene landschaften stolzieren.
und immer wieder herzen, überall herzen, die in wunderschönen
gärten, auf hausdächern und in den bergen wachsen und
all die stolzen, unperfekten, dicken und dünnen, fröhlichen
und traurigen menschen mit ihrer liebe anstecken … verzaubern,
zu mehr sanftmut aufrufen. in der unendlichen phantasiewelt der
illustratorin silke leffler wird ein bild der filigranen harmonie
zwischen mensch und natur gezeichnet. in den fantasievollen, märchenhaften
reisen zählt das kleine, das leibliche viel mehr als das mächtige,
das übergroße, verdrängende, zerstörerische.
dimensionen werden relativiert, bonbons so groß wie menschen
und die verzierte stofftapete zum schauplatz romantischer begegnungen.
es ist wie die entführung in eine welt der anmutenden grazie
und der unbefangenheit, wo es trozt unterschieden zwischen den lebewesen
nur ein friedliches, ein harmonisches miteinander geben kann, geben
muss. viele der gezeichneten fabelwesen, der üppigen blüten,
der liebesszenen und wunderlichen landschaften finden sich mittlerweile
in prämierten, weltweit vertriebenen büchern, ebenso wie
auf karten kalendern, geschenkpapieren und papetierie-produkten.
über ihre arbeit zwischen phantasie und wirklichkeit, über
die faszination an der natur und über das kindliche lauschen
erzählt die 35jährige illustratorin und mutter eines sohnes,
silke leffler, im nachfolgend gespräch.
liebe silke, erzähle ein
wenig aus deinem leben. woher kommst du, was hast du bisher so
gemacht?
ich bin gebürtige vorarlbergerin. dank reiselustiger eltern
bin ich in holland, in österreich, in verschiedenen ländern
afrikas und in süddeutschland aufgewachsen. die schule absolvierte
ich in bayern. nach dem abitur machte ich eine schneiderlehre,
studierte textildesign und arbeitete für ein designstudio
in england. seit 1996 arbeite ich als frei schaffende textildesignerin
für namhafte internationale firmen in den bereichen dekostoffe,
teppiche und andere heimtextilien. da es mitunter einer meiner
größten wünsche war, kinderbücher zu illustrieren,
versuchte ich mir dahingehend ein zweites standbein zu schaffen.
seit 1998 arbeite ich als illustratorin mit einigen verlagen im
papeterie- und kinderbuchbereich zusammen. bislang habe ich eine
vielzahl von stoffen entworfen und unzählige viele karten,
geschenkpapiere, kalender und insgesamt acht kinderbücher
illustriert. einige davon wurden bereits in andere sprachen übersetzt,
beispielsweise in englisch, französisch, koreanisch usw.
woran erinnerst du dich am liebsten
aus deiner kindheit?
da gibt es ein paar dinge, an die ich mich sehr gerne erinnere:
zum beispiel, wenn ich als kind früh morgens barfüssig
über die mit tau benetzte sommerwiese durch die schafkoppel
in den wald gelaufen bin, oder an die safaris mit meinen eltern
in afrika. diese waren stets reich an erlebnissen … einmal,
daran erinnere ich mich ganz besonders, sind wir mit unserem landrover
parallel zu einer trabenden elefantenherde gefahren. es waren
weit über 100 elefanten und der ganze boden bebte und vibrierte.
wir „mussten“ stehen bleiben, um diesen einzigartigen
und auch nicht ganz ungefährlichen moment, anmutend bestaunen
zu können. gerne erinnere ich mich auch an die zeit bei meinen
großeltern zurück, die in einer einfachen hütte
in den voralberger bergen lebten. ich schätze mich sehr glücklich,
eine so schöne kindheit gehabt zu haben.
hast du dich als kind auch schon
immer gerne zeichnerisch ausgedrückt, dich mit zeichnungen
„verständlich gemacht“?
ich habe auch schon als kind immer nur gezeichnet. farben stifte
und papier begeisterten mich schon von klein auf. es war für
mich das schönste, die zeit in einem raum mit vielen mir
lieben menschen zu verbringen, malend und zeichnend in einer ecke
zu sitzen und ihren gesprächen zu lauschen …
in deinen illustrationen, die
geprägt sind von märchenhafter fantasie und zartheit,
wird sowohl die liebe zur natur als auch die liebe zu den kindern
deutlich. was fasziniert dich besonders an den kindern und an
der natur?
an der kindern fasziniert mich besonders, dass sie so unvoreingenommen
den augenblick leben können. kinder können ungeniert
freude zeigen, sind so unendlich begeisterungsfähig. in ihrer
welt ist alles möglich, ihre fantasie ist grenzenlos, sie
schenken einem zeit für spontane dinge, lassen einem freude
an simplen dingen finden und lehren einem immer wieder, die dinge
neu zu entdecken. ich für mich persönlich glaube, nie
aus dieser kinderwelt entrückt zu sein … das so genannte
„erwachsen sein“ ist so fern. an der natur fasziniert
mich immer wieder, dass sie in sich so stimmig ist. beispielsweise
beim betrachten einer blume, da spüre ich immer wieder aufs
neue eine wärme der begeisterung in mir aufsteigen. blütenblättchen
für blütenblättchen werden zu prachtvollen erscheinungen
geformt, eine blume ist schöner als die andere – das
wunder natur.
astrid lindgren meinte einmal,
dass das urspüngliche, glückliche leben beim kind und
dessen harmonie mit der natur und allem lebendigen im einklang
mit dem spielen und lauschen liegt. was sagst du zu dieser aussage?
in dieser aussage von astrid lindgren steckt für mich sehr
viel wahres, ich teile sie uneingeschränkt mit ihr.
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phantasie und wirklichkeit –
zwei prägende elemente deiner illustrationen. wo liegt für
diech der unterschied zwischen der phantasie in deinen zeichnungen
und der realität des alltags?
seit unser kleiner sohn – er ist jetzt ein jahr alt –
den alltag mit uns teilt, verwischen sich die grenzen zwischen
der phantasie meiner zeichnungen und der realität des alltags
immer mehr.
die darstellungen meiner illustrationen werden in seiner „es-ist-alles-möglich-weilt“
(vor)gelebt, von ihm immer wieder aufgegriffen. plüschtiere
werden zu hüten, himbeeren steckt man sich wie selbstverständlich
als hütchen auf den finger, giraffen können sprechen
und reisen in handtaschen überall mit … oft frage ich
mich dabei, ob ich nun schon selbst die personifirzierte illustration
bin oder alles nur die logische konsequenz aus diesen ereignissen
ist?
gibt es ein gewisses gefühl,
eine atmosphäre, die du beim betrachter deiner zeichnungen
erzeuben möchten?
ich könnte nicht sagen, dass ich beim betrachter meiner bilder
ein gewisses gefühl oder atmosphäre erzeugen möchte.
wichtig ist mir jedoch, dass dem betrachter meiner bilder stets
noch ein ein gewisser freiraum zum hinzudichten, zum weiterträumen
bleibt.
woran denkst du, wenn du deine
phantasie-bilder kreierst?
ich denke an kinder, an ihre weilt der unbegrenzten möglichkeiten,
wo surreales ebenso platz hat wie die absolute detailtreue. ich
denke auch an die erlebnisse meiner eigenen schönen kindheit
zurück.
zeichnungen, illustrationen sind
gewissermaßen „sprachlos“, brauche keine erklärungen
oder spezifische sprache, werden überall verstanden. möchtest
du mit deinen sehr zarten, sanften zeichnungen zu mehr harmonie,
zur „besseren verständigung“ zwischen mensch
und natur beitragen?
darüber habe ich bislang nicht bewusst nachgedacht, so dass
ich die frage nicht mit einem konkreten ja beantworten könnte.
wenn es jedoch so ist, dass meine zeichnungen zu mehr harmonie
und zu mehr achtsamkeit aufrufen, dann würde mich das sehr
glücklich machen.
deine zeichnungen befinden sich
auf karten, brief- und geschenkpapier, in büchern –
also überall dort, wo menschen sich oder anderen freude bereiten,
auch liebesbotschaften verkünden wollen. welches gefühl
is es für dich, sozusagen als „zeichnerische vermittlerin“
von gefühlen zu fungieren?
ehrlich gesagt war und ist es mir gar nicht bewusst, als „zeichnerische
vermittlerin“ von gefühlen zu fungieren. ich zeichne
und male einfach. es ist für mich einfach unvorstellbar,
mich zeichnerisch nicht auszudrücken, die farben , „das
bunte“, die ideen sind für mich wie nahrung für
die seele. während ich male, tauche ich ähnlich einer
meditation ganz in diese weilt ein, zeige bilder meiner träume
und gegenstände meiner erinnerung. ich „erwache“
erst wieder, wenn ich den pinsel zur seite lege. vielleicht ist
es das, was man in den bildern zu spüren glaubt … ich
weiß es nicht.
würdeste du gerne selbst
eine elfe in einer deiner geschichten sein?
es gäbe so viele geschichten, die ich spannend fände,
mitzuerleben! ich glaube, ich könnte mich gar nicht entscheiden,
ob ich nun eine elfe, eine blumendame oder ein engel sein wollte.
wenn es darum ginge, in diese andere weilt eintauchen zu dürfen,
dann wäre ich sofort dabei.
frequently asked questions
was ist dein lieblings-fabelwesen?
ein lieblings-fabelwesen im herkömmlichen sinne habe ich
eigentlich nicht. ich mag die frösche in den fabeln sehr
gerne. unabhängig von den fabeln nenne ich gerne den elegant
als mein lieblingstier.
was inspiriert dich besonders?
spaziergänge in der natur, gute bücher, fantasievolle
geschichten und gedichte, beispielsweise christian morgensterns
„erfindergedichte“ von palmström und korf …
aber auch erlebnisse mit kindern, leidenschaftliches stöbern
auf flohmärkten, in trödelläden und antiquariaten.
reisen und erinnerungen an meine eigene kindheit in afrika, bayern
und vorarlberg gehören ebenso dazu.
wovon träumst du?
es ist zu viel, um es in worte zu fassen. ich würde es so
sagen: ich träume davon, dass ich nie aufhöre zu träumen.
welche momente liebst du am meisten?
es gibt viele schöne
momente: am sternenhimmel das kreuz des südens zu erblicken,
das rauschen des meeres zu hören, nach einem langen winter
den frühling zu spüren, das herzhafte lachen eines kindes
zu hören, die freude und das glück eines kindes zu erfahren.
in lauen sommernächten dem konzert der grillen zu lauschen,
nach einem heißen sommer die kühle des herbstes wie
einen neuanfang zu empfinden, verregnete sonntage gemütlich
mit guten büchern, tee und feinem gebäck zu verbringen,
in verschneiter winterlandschaft bei vollmond spazieren zu gehen
…
dein lieblingsbuch?
wenn es darum geht, dass ich mich aus der büchervielfalt
für eines entscheiden müsste, um es auf eine einsame
insel mitzunehmen, dann würde dies rainer maria rilkes werk
„briefe an einen jungen dichter“ sein.
deine lieblingszeichnung?
gibt es in dem sinne nicht, generell liebe ich zeichnungen aus
skizzenbüchern. ich mag es sehr, wenn zeichnungen klar sind,
einen witz haben, amüsieren oder gefühle wecken und
vermitteln. zeichnungen von paul klee, michel lémieux oder
sempé zählen dazu.
Das Andersen Märchenbuch, F. Reichenstetter,
Silke Leffler, Annette Betz Verlag
Pool Oktober 2005
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