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Märchenhafte
Bilder
Es heißt, dieser Kaiser lebte im Kleiderschrank. Er liebte schöne
Gewänder so sehr, dass er sich jede Stunde umziehen musste. Doch
dann geschah etwas, was ihn fürchterlich blamierte - und ein kleines
Kind fand es heraus. Wisst ihr, von wem die Rede ist? Genau, es ist die
Geschichte von
"Des Kaisers neue Kleider", Silke Leffler
hat das Märchen von Hans Chr. Andersen gelesen. Einmal,
zweimal. Dann verließ sie ihr Haus... machte einen
Spaziergang. Als sie zurückkehrte, las sie den Text
zum dritten Mal. Und fing an zu arbeiten. Silke Leffler
zeichnet Märchen für Kinder. das hört sich
wunderbar an- sich hinzusetzen, am Kopf kratzen und ein
bisschen zu malen. Aber bis sie eine Idee hat, vergehen
manchmal zwei Wochen. ... Den edlen Kaiser zum Beispiel
malt sie - gar nicht. Er bleibt unsichtbar. Stattdessen
zeigt sie uns seine Kleiderkammer. Dort hängen elegante Überröcke,
wie sie Adlige in früheren Jahrhunderten trugen, daneben
Schnallenschuhe. Nur einmal sehen wir ein klitzekleines
Stück vom Kaiser: Sein Bein in einer gestreiften Unterhose,
das hinter einem Vorhang verschwindet. Wie er wohl aussieht?
Das müsst ihr euch slebst ausmalen. "Meine Bilder
sollen Platz lassen, um etwas dazuzuträumen",
sagt sie. Die 34-jährige Zeichnerin liebt ausladende
Gewänder. Kein Wunder: Lange bevor sie mit dem Zeichnen
von Märchen, Fabeln und Kinderbüchern begann,
dachte sie sich Kinderstoffe und Bettwäsche aus.
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Ihre
Großeltern hatten eine Fabrik für Damenkleider. Silke
fand es toll, in einer Ecke zu sitzen und zu malen. Vielleicht
hat sie deshalb diesen Blick für witzige Details. Zum
Beispiel Hüte,
Stöckelschuhe oder Handtaschen, wie sie die Enten im Märchen
vom "Hässlichen Entlein" tragen. Silke Leffler nimmt
ein Stück bedrucktes Papier und schneidet- schneller, als
ihr einen Fingernagel abschneiden könnt- eine winzigkleine
Handtasche aus. Die klebt sie auf einen Bogen Papier und zeichnet
mit feinem
Stift ein Fräulein mit Reifrock dazu.
Für ihr Lieblingsmärchen "Der Reisekamerad" zerschnippelte
sie eine alte Landkarte. Kein Material ist vor ihrer flinken Schere sicher: Stoffmuster,
aber auch altes Schrankpapier, vergilbte Zeitungen, Briefmarken oder Notenhefte
stapeln sich in ihrer Werkstatt. Sie stöbert gern auf Flohmärkten,
kauft alte Briefe und Schulhefte. Wenn ihr neun Monate alter Sohn abends eingeschlafen
ist, beginnt sie zu malen. Liebellenzarte Feen für Kalender, akkordeonspielende
Frösche für Geschenkpapier, Blumen für Postkarten. Viele ihrer
fantasievollen Ideen stammen aus Gesprächen mit Kindern. neulich hat sie
zwei Kinder für eine Hochzeit verkleidet. Charlotte trug einen Hut aus Blütenblättern,
ihr Bruder eine Zipfelmütze. "Du hast ja ein Sahnehäubchen auf
dem Kopf!", sagte die Schwester. Ihr könnt sicher sein, dass dieses
Sahnehäubchen in einem der nächsten Bücher von Silke Leffler
auftauchen wird.
Das Andersen Märchenbuch, F. Reichenstetter, Silke
Leffler, Annette Betz Verlag
Stern Nr. 36, 26.08.2004 |

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